Operation am offenen Herzen geglückt

Mayr-Melnhof übersiedelt Data Center

Operation am offenen Herzen geglückt 

Die Mayr-Melnhof-Gruppe hat innerhalb von nur acht Monaten ihre gesamte IT-Landschaft in das Data Center von Kyndryl transferiert und nutzt dort nun Managed Infrastructure Services, statt ein eigenes Rechenzentrum zu betreiben. MM-CIO Jacqueline Wild und Maria Kirschner vom Partner Kyndryl im Gespräch über das Großprojekt.

Foto: Marcel LehnerJacqueline Wild, CIO MM GroupFoto: Josef SchusterMaria Kirschner, Vice President, General Manager Kyndryl Alps25.000 Terrabyte Daten, über 1.000 Applikationen und mehr als 2.000 Server: Die IT-Infrastruktur von Mayr-Melnhof beeindruckt alleine ob der Zahlen. Dem Produzenten von Karton und Faltschachteln wurde jedoch auch diese IT-Landschaft zu klein. Um weiter wachsen zu können, übersiedelte die MM Group nun ihr gesamtes Rechenzentrum zu Kyndryl. Der Betrieb bei der Gruppe musste während des Umzugs ohne Ausfallszeiten normal weiterlaufen. it&t business sprach mit Jacqueline Wild, CIO der MM Group, und Maria Kirschner, Vice President, General Manager von Kyndryl Alps, über das Mammutprojekt.

it&t business: Wie war die IT bei Mayr-Melnhof vor dem Umzug gestaltet?

Jacqueline Wild: Viele Jahre lang haben wir fast alle IT-Services in-house erbracht und dabei zuletzt noch stark auf On-Premise-Lösungen gesetzt. In unserem Headquarter in Wien haben wir unter anderem eigenständig ein redundantes Rechenzentrum betrieben. Diese Strategie hat für uns lange funktioniert. Für die bevorstehenden Herausforderungen war sie aber nicht mehr adäquat. Wir haben gewusst: Wenn wir unsere Geschäftsstrategie weiter mit IT-Services supporten wollen, müssen wir unsere Infrastruktur transformieren.

it&t: Was gab den Anstoß für das Transformationsprojekt?

Wild: Die MM Group hat 2021 einen Strategiewechsel vollzogen und setzt nun auf Wachstum sowie eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit durch Neu-Akquisitionen und gezielte Investitionen. Dadurch hat die M&A-Tätigkeit in den letzten zwei Jahren stark zugenommen. Die IT musste mehrere Carve-Out Projekte stemmen und hat ca. 6.500 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie mehr als 25 neue Standorte ins Unternehmen integriert. 

it&t: Wie bewerkstelligt man den Umzug eines ganzen Rechenzentrums ohne Ausfallzeiten?

Maria Kirschner: Die IT-Infrastruktur der MM Group ist, wie bei all unseren Kunden, geschäftskritisch. Daher mussten wir unbedingt sicherstellen, dass der Geschäftsbetrieb, die Produktionsprozesse und die Ressourcenplanung der MM Group während der Migration ohne Unterbrechung weiterlaufen. Wir haben im Grunde am offenen Herzen operiert.

Das bei der MM Group bereits etablierte Virtualisierungskonzept hat es uns ermöglicht, weitgehend unterbrechungsfrei zu migrieren. Mittels OTV (Overlay Transport Virtualization) konnten wir das Rechenzentrumsnetzwerk transparent in das Kyndryl-Rechenzentrum verlängern. Dort wurden alle notwendigen IT-Ressourcen vorab installiert. Die virtuellen Systeme konnten dadurch ohne Downtime im Livebetrieb verschoben werden. Bei physischen Systemen und Datenbanksystemen haben wir darauf geachtet, dass die Datenstruktur im Vorfeld in eines unserer Rechenzentren gespiegelt wurde. Das Ergebnis: Wir konnten die abschließende Umschaltung mit minimaler Downtime innerhalb von acht Monaten durchführen.

Wild: So ein Umzug geht nur mit guter und detaillierter Planung reibungslos über die Bühne. Wir haben unsere Systeme redundant aufgebaut. Der Höhepunkt des Projekts ist dann binnen Millisekunden passiert, als wir von unserem Standort am Wiener Brahmsplatz auf das Rechenzentrum von Kyndryl umgeschaltet haben. Das ging so schnell, dass niemand etwas bemerkt hat.

it&t: Welche Maßnahmen wurden während des Umzugs in puncto Cybersecurity gesetzt?

Kirschner: Im Rahmen der Migration haben wir sichergestellt, dass die Verbindungen der Netzwerke zwischen den MM Group- und Kyndryl-Rechenzentren über dedizierte, private Leitungen hergestellt wurden. Die Übergabepunkte in das öffentliche Netz haben wir konsequent über Firewalls geführt. Auf der organisatorischen Ebene haben die Security-Teams von MM Group und Kyndryl bereits früh in der Vorbereitungsphase bestimmte Kommunikations- und Eskalationspfade etabliert. Auf der technischen Ebene wiederum ist Security keine isolierte Funktion, sondern lebt tatsächlich als organischer Bestandteil in sämtlichen IT-Disziplinen. Wir unterstützen MM Group dabei in zahlreichen wichtigen Detailfragen.

Wild: Cybersecurity ist uns sehr wichtig, daher war es eine Voraussetzung, dass unser neues Setup in derselben, wenn nicht höheren Qualität geschützt ist. Grundsätzlich haben wir unsere Daten durch gesicherte Kanäle ausgetauscht.

it&t: Gab es Herausforderungen während der Umstellung? Wie wurden diese bewältigt?

Wild: Da der Umzug Großteils während der Coronapandemie stattgefunden hat, konnten viele Meetings in der Planung, im Knowledge Sharing und im Betrieb nur remote stattfinden. Wir haben aber mit Kyndryl schnell eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut und eine gute Zusammenarbeit etabliert. Außerdem mussten sich die internen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf das neue Arbeitsmodell einstellen, was wir durch gezielte Trainings- und Fortbildungsmöglichkeiten unterstützt haben.

Kirschner: Neben der weitestgehend virtuellen Zusammenarbeit hat auch die angespannte Liefersituation von benötigtem IT-Equipment eine Herausforderung dargestellt. Zusätzlich hat die MM Group bereits während der noch laufenden Migration weitere Werke akquiriert, die parallel zur laufenden Transition ebenfalls in die zu übernehmende IT-Landschaft integriert werden mussten.

it&t: Welche Services leistet Kyndryl jetzt für MM?

Kirschner: Im Prinzip handelt es sich um ein sogenanntes Full Scope Infrastructure Outsourcing. Bei MM liegt der Schwerpunkt auf vier Bereichen: Platform Management, das grundlegende Anwendungsoperationen, Middleware-, Anwendungsserver- und Datenbankmanagement für alle Plattformen beinhaltet. Weiters stellen wir das Data Center, das alle Dienstleistungen rund um den Betrieb von Rechenzentren inklusive Security Patching und Backup-Management von Servern in zentralen und lokalen Rechenzentren umfasst. Wir managen das Netzwerk, wo alle Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Bereitstellung und dem Betrieb der weltweiten Unternehmensnetzwerke abgebildet sind. Zu guter Letzt ist auch das Customer Call Center als Service in unserer Arbeit für MM Group inbegriffen. In all diesen Servicebereichen steuert MM Group den Bedarf und die Definition von Anforderungen, Kyndryl sorgt für eine reibungslose Servicebereitstellung.

it&t: Inwiefern hat der Umzug MM Groups Fähigkeiten betreffend Business Continuity/Disaster Recovery gestärkt?

Wild: Wir haben in den letzten Jahren Business Continuity-Pläne ausgearbeitet, die in erster Linie darauf abzielen, dass eine Produktion auch möglich sein muss, wenn die IT-Systeme für eine bestimmte Zeit nicht verfügbar sind – sei es aufgrund von Wartungen oder ungeplanten Ausfällen. Im Bereich Disaster Recovery wiederum profitieren wir vom Knowhow unseres Partners Kyndryl. Wir schaffen Transparenz für die Zusammenarbeit zwischen dem Partner und den Applikationsverantwortlichen, um eine schnelle Disaster Recovery zu gewährleisten.

it&t: War Nachhaltigkeit ein Thema bei dem Projekt?

Wild: Wir sind davon überzeugt, dass der Betrieb eines Rechenzentrums von einem spezialisierten Partner sowie durch die Erzielung von Skaleneffekten wesentlich effizienter gestaltet wird, als mit einem lokalen Rechenzentrum vor Ort in unseren Räumlichkeiten. Im Auswahlprozess haben wir deshalb den Nachhaltigkeitsaspekt auch im Vergleich von verschiedenen Partnern berücksichtigt.


www.mm.group
www.kyndryl.com/at/de

 

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