Telefonieren trotz Grenzen

Um außerhalb der Microsoft-Welt zu telefonieren, gibt es einige Möglichkeiten. Unternehmen schließen sich öfter dem Operator-Connect-Programm an.

Foto: Alexa/Pixabay

Teams ist in den meisten Unternehmen gesetzt – und immer häufiger nutzen Firmen das Microsoft-Tool auch für die Telefonie. Dabei gibt es allerdings einen Haken: In den Standardversionen ist die Telefonie nur innerhalb der Microsoft-Welt möglich, interne und externe Gespräche mit Teilnehmern ohne Teams-Account funktionieren nicht.

Viele PBX-Anbieter haben deshalb Lösungen entwickelt, mit denen ihre Systeme mit Teams verheiratet werden. Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten. So können Systemhäuser für ihre Kunden bei Microsoft einen Sprachanschluss für Teams buchen, dafür benötigen sie aber zusätzliche Lizenzen: Teams Telefon mit Anrufplan.

Alternativ können Reseller einen anderen Internet Telephony Service Provider (ITSP) wählen und mit den Teams-Accounts verbinden. Auch hier ist eine Add-on-Lizenz nötig, Teams Telefon Standard, diese enthält keinen Anrufplan. Zudem werden noch ein von Microsoft zertifizierter ­E-SBC (Enterprise Session Border Controller) und ein SIP-Trunk benötigt.

(Quelle: Telecom Handel)

Beide Versionen haben natürlich Vor- und Nachteile: Wählt man Microsoft selbst als ITSP, so fallen beispielsweise keine Gebühren für einen SIP-Trunk oder E-SBC an – da alles innerhalb der Microsoft-Welt bleibt. Allerdings lässt sich Microsoft diesen Service auch teuer bezahlen.

Die Gebühren für die Telefonate sind vergleichsweise hoch, gleichzeitig können manche Servicerufnummern nicht angerufen werden, um nur einige Beispiele zu nennen. Möchte ein Unternehmen wiederum einen ITSP seiner Wahl nutzen, so fallen zwar Gebühren für den E-SBC sowie den SIP-Trunk an – es kann aber sein, dass die Gesprächsminuten in diesem Fall günstiger sind.

Doch manchmal kommt es auch zu technischen Problemen, wenn etwa Microsoft „irgendetwas“ an seiner Software ändert, was zu Störungen in der Telefonie führt. Mittlerweile gibt es aber eine ganze Reihe von ITSP, die einen SIP-Trunk für MS Teams im Programm haben, um dieses Risiko zumindest zu minimieren. Generell gilt aber auch hier: Microsoft ist nicht verpflichtet, über Änderungen zu informieren.

Operator Connect als Alternative

Anders sieht es beim Operator-Connect- Programm von Microsoft aus: Hier gehen die Redmonder eine engere Beziehung zu einem ITSP ein. Dieser muss sich für die Aufnahme im Programm zertifizieren, was laut den Anbietern sehr aufwendig ist.

Dafür erhält er aber unter anderem Informationen, um seine Trunks rechtzeitig zu modifizieren, wenn Microsoft Änderungen an der Software durchführt. In Deutschland gibt es aktuell nur wenige ITSP, die diesen Weg gegangen sind. Dazu gehört etwa die Deutsche Telekom, die seit Jahren sehr eng mit Microsoft zusammenarbeitet. Aber auch kleinere Unternehmen, wie etwa Equada, haben sich bereits zertifiziert. Neu in diesem Kreis sind zudem Peoplefone, Nfon und Gamma.

Auf den ersten Blick ist Operator Connect eine Möglichkeit für eine stabile Telefonie über MS Teams – denn sowohl Microsoft als auch die Partner verpflichten sich für eine engere Zusammenarbeit. Für ITSP ist es zudem die Chance, bei Firmenkunden sichtbarer zu werden, schließlich sind sie als offizieller Microsoft-Partner gelistet, Kunden können einen Anbieter auswählen, der von Microsoft zertifiziert ist. Manche sehen das Programm deshalb auch als Tool für die Leadgenerierung.

Allerdings könnte das am Ende aber auch bedeuten, dass Serviceleistungen der Reseller in Zukunft überflüssig werden: Schließlich genügt ein Klick, um einen ITSP zu wählen. Die gute Nachricht ist aber: Aktuell ist das Lizenzsystem von Microsoft für Teams und Phone sehr kompliziert, dazu sind die Abrechnungsmodelle der ITSP so unterschiedlich, dass Unternehmen auch in naher Zukunft noch auf die umfassende Beratung von Systemhäusern gerne zurückgreifen werden. 

Microsoft und die Telekom

Auf der vergangenen Digital X hat die Telekom ein neues Angebot für Microsoft Teams vorgestellt. Teams Phone Mobile, so der Name des Produkts, ist an einen Mobilfunkvertrag der Telekom gekoppelt und kostet inklusive Sprachflat 7,99 Euro netto pro Monat und User, dazu kommen noch die üblichen Lizenzgebühren von Microsoft.

Nutzer können direkt in Teams mit ihrer Mobilfunknummer telefonieren. Die Nutzung von Chat- und Videokonferenzfunktionen ist ebenso möglich. Die Einrichtung der Verbindung von Teams mit der Telekom-Mobilfunknummer erfolgt im Microsoft Teams Admin Center.

*Waltraud Ritzer ist bei Telecom Handel für die Rubriken Business Solutions und Betrieb & Praxis verantwortlich. Ihre Schwerpunkte sind Telekommunikation, IT und E-Commerce. Die Bandbreite reicht dabei von modernen Kommunikationsplattformen wie Unified Communications und Collaboration (UCC) bis hin zu Lösungen aus der Cloud. Sie schreibt zudem für die Schwesterpublikationen Internet World Business sowie Com.

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