Wer bist du KI? Und wer sind wir Menschen, die wir dich nutzen?

Künstliche Intelligenz, die Möglichkeiten, die sie uns eröffnet, aber auch die Herausforderungen und Gefahren dabei, sind nicht reines Thema der Informatik.

Foto: AlexandraKoch/Pixabay

Eine aktuelle Masterarbeit der FH Burgenland beschäftigt sich neben einer Erhebung des technisch-wissenschaftlichen Status-quo auch mit ethischen und philosophischen Fragen zu Gegenwart und Zukunft der KI-nutzenden Menschheit.

In Saudi-Arabien wurde einem Humanoiden, also einem mit Künstlicher Intelligenz versehenen, menschenähnlichen Roboter, die Staatsbürgerschaft verliehen. Die selbstlernende KI AlphaZero schlug ihre „ältere Schwester“ AlphaGo, die wiederum zuvor den amtierenden Weltmeister geschlagen hatte, im hochkomplexen Brettspiel Go.

Ein Start-up in den USA macht es möglich, sich mittels Chat-bot mit verstorbenen Angehörigen zu unterhalten. Künstliche Intelligenz (KI) macht schon heute Ungeahntes möglich.

In seiner technikphilosophischen Masterarbeit aus dem Studiengang Cloud Computing Engineering der FH Burgenland beschäftigt sich Informationstechnologe Michael Fleischhacker mit der Frage, in wie weit sich die Fähigkeiten von KI auf die Gültigkeit des von Jean-Paul Sartre postulierten Freiheitsbegriff des Menschen auswirken.

Kurz: Wie frei bleibt der Mensch, wenn KI auf ihn trifft?

Jean-Paul Sartre und der intelligente Computer

Fleischhacker konzentriert sich in seiner Untersuchung auf die Auswirkungen von KI-Systemen auf das menschliche Selbstverständnis: „Die Entwicklung von Schwacher KI hin zu Starker KI, von bereits gängigen Mensch-Maschine-Schnittstellen, wie etwa bei Implantaten oder Prothesen,  hin zu einer mit Bewusstsein ausgestatteten KI ist rasant. Ich stelle sie in Beziehung zum von Sartre postulierten Freiheitsbegriff des Menschen. In diesem behauptet Sartre, dass der Mensch zur Freiheit verurteilt ist.“

Kurz: Dass sich das Mensch-sein dadurch definiert, dass wir Zeit unseres Lebens frei darin sind, Entscheidungen zu treffen und diese uns als Menschen und unser Leben definieren.

Die Annäherung an die Beantwortung der Forschungsfrage erfolgte in Form eines qualitativen Forschungsansatzes. Fleischhacker führte Expert*inneninterviews mit Branchenvertreter*innen aus Medizin, Technik, Psychologie und Philosophie. Zudem konnte sich der berufsbegleitende Student bei einem Gedankenaustausch mit Dr. Michael Pucher vom Austrian Research Institute for Artificial Intelligence über die neuesten Entwicklungen im Bereich der Sprachsynthese ein Bild machen.

Klar ist: „Es braucht einen interdisziplinären Forschungsansatz in der KI. Es sind viele ethische Fragen, die sich auftun“, so Fleischhacker.

Wir sind (noch) frei

„Meine wissenschaftliche Beschäftigung mit der Thematik führte zu der Erkenntnis, dass der von Jean-Paul Sartre postulierte Freiheitsbegriff weiterhin seine Gültigkeit behält, da nach Sartre das menschliche Selbstbewusstsein ausschließlich durch das Auftreten von Freiheit entstehen kann und damit eine unhintergehbare Bedingung der menschlichen Existenz darstellt, die auch von der Wirkmächtigkeit Künstlicher Intelligenz nicht aufgehoben werden kann.“

Kurz: Die Entscheidung des Menschen, KI-Tools zu nutzen, hat keinen Einfluss auf seine „Menschlichkeit“.

Wie lange diese Definition jedoch seine Gültigkeit behält, hängt von der Geschwindigkeit in der KI-Entwicklung ab. Noch ist eine mit Bewusstsein ausgestatte KI Zukunftsvision. Dass KI jedoch bessere KI erschafft, als der Mensch es vermag, lässt sich nicht von der Hand weisen.

Nach der Singularitätstheorie würde eine mit Bewusstsein ausgestatte KI uns Menschen die Kontrolle über unsere Welt entreißen. Umso wichtiger ist es, hier jetzt ein Regulativ zu finden“, appelliert der Absolvent.

„Gesellschaft und Politik müssen sich über die Rolle von KI Gedanken machen und Fragen, wie die Interaktion zwischen dem Menschen und KI sich gestalten soll, beantworten. Neben dieser Frage der Interaktion müssen wir Menschen uns auch bewusst werden, wie wir KI-Systeme nutzen wollen, nämlich als eine Partnerin oder bloß als ein Werkzeug“, zitiert er Chromik & Butz, 2021.

Mehr zum Studium an der FH Burgenland finden Sie unter www.fh-burgenland.at

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